Wer präventiv handelt, kann auch den stärksten Orkan schadlos überstehen

Mit dem Frühjahr brechen bekanntermaßen stürmische Zeiten an, und das bedeutet für Wassersportler offenkundig ein erhöhtes Gefahrenpotenzial. Ob auf See, im Hafen oder an Land – die richtige Vorbereitung ist das A und O, damit Schiff und Crew einen Sturm möglichst schadlos überstehen, weiß der Versicherungsspezialist Pantaenius.

 

Hurricane Ivan 2004Es sind oft die kleinen Dinge, die Großes bewirken. Ein zusätzlicher Fender hier, eine weitere Heckleine da, der regelmäßige Blick in den Wetterbericht oder der vorbeugende Check der Ausrüstung. Trotz alledem ist die Zahl an Sturmschäden immer häufiger auf unzureichende Vorbereitung und mangelhafte Seemannschaft zurückzuführen, wie Holger Flindt, Leiter der Schadenabteilung bei Pantaenius, leider feststellen muss. 

 

Auf Seen ist man oft am sichersten


„Fehlendes Verantwortungsbewusstsein gepaart mit Unwissenheit kann verheerende Folgen haben“, so Flindt. So ist vielen Wassersportlern nicht bewusst, dass sie bei Sturm auf der offenen See häufig am besten aufgehoben sind. Vor allem die unerfahrenen Skipper tendieren dazu, in solchen Fällen die Nähe zum Land zu suchen. Durch die geringere Wassertiefe bauen sich hier jedoch kurze, steile Wellen auf, die Material und Mannschaft stark belasten. Erstaunlich, aber wahr: Unter Umständen kann es sogar ratsam sein, den scheinbar sicheren Hafen bei einem angekündigten Sturm rechtzeitig zu verlassen und die Situation auf See abzuwettern. Flindt: „Ich selbst habe schon eine Marina im Mittelmeer verlassen, da hier die Yachten dicht an dicht, römisch-katholisch mit Buganker und Heckleine lagen und durch den zunehmenden Schwell ein erhebliches Risiko bestand.“


Ebenso wichtig ist die überlegte Auswahl eines Ankerliegeplatzes: Die ausreichende Entfernung zum Land ist dabei entscheidend. Wie man es nicht machen sollte, erläutert Flindt anhand eines realen Beispiels. „20 Meter vor der Küste der kroatischen Insel Krk hat der Skipper den Anker runtergelassen“, berichtet der Schadenfachmann von Pantaenius. Das reiche vielleicht für einen kurzen Badestopp, aber keinesfalls für eine Übernachtung. „Die Stelle lag an einem vollkommen offenen Küstenstreifen und war damit ungeschützt dem herannahenden Gewitter ausgesetzt. Sämtliche Anzeichen der offensichtlichen Wetterentwicklung wurden ignoriert.“ Das Ende vom Lied: Die Segelyacht trieb auf Land und wurde stark beschädigt.


Ein weiterer wichtiger Faktor ist eine intelligente Tourenplanung und -vorbereitung. Allzu oft wird eine gründliche Einweisung der Crew vernachlässigt. Gerade bei Chartertörns sollte auf eine ausführliche Einweisung durch den Vercharterer bestanden werden, damit der ersehnte Urlaub nicht zum Himmelfahrtskommando wird. Selbst Flindt, der so etwa jeden Bootstyp kennt, nimmt sich drei bis vier Stunden Zeit, um sich mit einem fremden Schiff vertraut zu machen. Wie funktionieren die Ventile? Wo ist der Wantenschneider? Wie sieht die Sturmbesegelung aus? „Ist der Sturm erst mal da, dann ist es dafür zu spät.“ 

 

Hurrikane erfordern besondere Maßnahmen

 

Der Yachtversicherungsspezialist weiß, wovon er spricht. Tagtäglich hat er mit den Folgeerscheinungen von Stürmen, Orkanen oder sogar Hurrikanen zu tun. Letztere haben in der Vergangenheit zu gigantischen Schäden in der Wassersportbranche geführt. Nachdem Hurrikan „Ivan“ 2004 so verheerend über Grenada gewütete, hat Pantaenius seine Sicherheitspolitik für den karibischen Raum komplett überdacht. Demnach ist für dieses Fahrtgebiet mittlerweile genau festgelegt, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, wenn ein entsprechender Wirbelsturm vom National Hurricane Center in Florida (www.nhc.noaa.gov) angekündigt wird. So müssen beispielsweise Schiffe in speziellen Cradles an Land gelagert werden, um den Naturgewalten zu trotzten. Werden diese Vorgaben nicht befolgt, dann verliert das Schiff den Versicherungsschutz.


Ein ziemlich rigoroses Vorgehen, aber sinnvoll, denn die Eigner achten jetzt viel stärker auf vorbeugende Maßnahmen. Der englische Versicherungsmarkt geht mit der Hurrikan-Gefahr übrigens ganz anders um. Schiffe, die sich während der Hurrikan-Zeit in einem festgelegten Gebiet in der Karibik aufhalten, haben automatisch keine Deckung. Das hat zur Folge, dass sich mit Beginn der Hurrikan-Zeit zahlreiche Schiffe in den Randzonen des Hurrikan-Gebiets aufhalten. Das war auch 2004 bei „Ivan“ der Fall. Deshalb waren die Häfen von Grenada zu diesem Zeitpunkt auch rappelvoll, denn damals gehörte das Eiland noch nicht zum Hurrikan-Gebiet.


Pantaenius bereitet sich bei nahenden Hurrikanen intensiv auf die bevorstehende Situation vor. Als sich im August dieses Jahres beispielsweise „Irene“ für die Ostküste der USA ankündigte, war Pantaenius gewappnet. „Nicht nur in unserer Niederlassung in den USA wurde die Notruf-Hotline personell aufgestockt“, so Flindt. „Auch in Hamburg, England und Monaco waren wir mit zusätzlichem Personal im Einsatz.“ Die Hamburger Zentrale fungierte unter anderem als Anlaufstelle, sollte das Telefonnetz an der US-Ostküste zusammenbrechen. „Außerdem haben wir im Vorwege zahlreiche Sachverständige exklusiv für uns geblockt. Zum Glück hatte ‚Irene‘ aber ein Einsehen und ist mit viel weniger Wucht auf Land getroffen als angenommen“, so der Schadenexperte.